Montag, 27. Juli 2009

Spickmich.de

oder
Weshalb Lehrer damit ein Problem haben!

Vor 2 Tagen las ich eine Meldung auf www.heute.de. Sie hatte den Titel "Spickmich.de soll vor dem Verfassungsgericht landen". Als ich das las, konnte ich nur mit dem Kopf schütteln. Aber fangen wir von vorne an.

Was ist Spickmich.de?

Spickmich.de ist eine Seite für Schüler. Diese Seite ermöglicht es den Schülern ihre Lehrer anonym zu bewerten. Sie können ihnen Schulnoten von 1 bis 6 in vorgegebenen Kategorien, wie etwa "cool und witzig", "beliebt", "motiviert", "menschlich", "gelassen" und "guter Unterricht", vergeben. Damit die Schüler von ihren Lehrern keine Repressalien zu befürchten haben, kann man die Bewertungen erst nach Anmeldung einsehen, und die Bewertung selbst erfolgt anonym. Freie Kommentare sind jedoch nicht möglich. Diese Seite gibt es 2007 und wird von 3 Kölner Studenten betrieben. Im Prinzip haben sie damit eine Praxis, die an Universitäten schon seit längerer Zeit üblich ist, nämlich die Bewertung der Professoren, auf die Lehrer übertragen.

Für Kontroversen sorgte die Seite schon von Beginn an. Viele Lehrer fühlten sich in ihren Grundrechten verletzt. Einige sprechen sogar von Mobbing. Die Betreiber der Seite haben seitdem einiges erlebt: Anwaltsschreiben, Lehrer, die sich selbst bewertet haben, Schulleiter, die ihren Schülern "durch die Blumen" drohen.

Der größte Kritikpunkt liegt letztlich auch in der Natur der Sache: Die Manipulation! Die Bewertungen können nicht frei von Manipulationen sein. Ein Schüler kann sich mit mehreren eMail-Adressen auf der Seite anmelden. Ein Lehrer kann sich selbst anmelden, und sich selbst bewerten. Derartige Manipulationen wird man kaum in den Griff bekommen können.

Warum hat eine Lehrerin geklagt?

Eine Deutschlehrerin aus Moers erhielt auf Spickmich.de eine Gesamtnote von 4,3. Sie fühlte sich durch die Seite in ihren Persönlichkeitsrechten verletzt und wollte, eine Löschung der Daten sowie eine Unterlassung durchsetzen. Sie ist mit ihren Klagen vor dem Landgericht und Oberlandesgericht in Köln gescheitert.

Zuletzt entschied der BGH in dieser Sache. Auch hier war die Lehrerin nicht erfolgreich. Am 23.06.2009 lehnt der BGH die Revision zurückgewiesen (VI ZR 196/08). Der BGH wägte hierbar das Recht auf freie Meinungsäußerung gegen das Recht auf informationelle Selbstbestimmung ab. Die Richter waren der Meinung, daß die Bewertungen freie Meinungsäußerungen darstellen, die die berufliche Tätigkeit der Klägerin betreffen. Bei einer Bewertungen der beruflichen Tätigkeit genießt ein Bürger nicht den gleichen Schutz wie in der Privatsphäre. Die Lehrerin muß, ebenso wie ihre Kollegen, eine Bewertung auf Spickmich.de hinnehmen, egal ob sie damit nun einverstanden sind oder nicht.

Das Urteil ist bei den Betreibern der Seite natürlich auf positive Resonanz gestoßen. Der BGH hat sich in seinem Urteil klar für die Meinungsfreiheit entschieden.

Bei den Lehrern kam das Urteil erwartungsgemäßt schlecht an. "Überhaupt nicht hilfreich" seien diese Bewertungen. Auch Marianne Demmer, Leiterin des GEW-Vorstandsbereichs Schule, meinte, die Bewertungen auf Spickmich.de seien nicht sinnvoll. Sie empfahl stattdessen den Schulen "eine gute Feedback-Kultur, um langfristig spickmich.de überflüssig zu machen".

Die Deutschlehrerin aus Moers, die gegen Spickmich.de klagte, will sich mit dem Urteil des BGH jedoch offensichlicht nicht zufrieden geben. Die zieht nun vor das höchste deutsche Gericht, das Bundesverfassungsgericht.

Fazit:
Man hört von den Bildungsministern immer wieder man wolle Wettbewerb. Wettbewerb zwischen den Ländern. Wettbewerb zwischen den Universitäten. Wettbewerb zwischen den Schulen. Zum Wettbewerb gehört es jedoch, daß die Leistungsanbieter dieses Wettbewerbs vergleich können muß.

An den Universitäten ist schon seit langen üblich, daß die Studenten ihre Professoren am Ende des Semesters bewerten. An privaten Bildungseinrichtungen ist das auch nichts ungewöhnliches. Derartige Vergleichs- bzw. Bewertungsmöglichkeiten sind an Schulen jedoch bis heute nicht etabliert worden. Es galt hier also eine Lücke zu füllen. Gefüllt wurde sie von 3 Studenten aus Köln mit ihrer Seite Spickmich.de.

Wenn Frau Demmer den Schulen eine "gute Feadback-Kultur" empfiehlt, sollte sie wissen, daß dies an Schulen überhaupt erst einmal etabliert werden muß. Nur das wird mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht passieren. Denn Schüler werden sich hüten, Kritik an ihren Lehrern zu üben. Entweder die Kritik verhallt gänzlich ungehört, wenn ich persönlich schon mit mehr als einem Lehrer erlebt habe, oder die Schüler haben Repressalien seitens des betreffendes Lehrers zu erwarten. Wenn es eine solche "gute Feadback-Kultur" an den Schulen geben soll, müßten die Lehrer bereits während ihres Studiums, lernen wie man richtig mit Kritik umgeht. Denn die Kritikfähigkeit scheinen Lehrer bereits während des Studiums zu verlieren.

Was nun jene Deutschlehrerin aus Moers betrifft, seien wir einmal ehrlich: Hätte sie eine Gesamtnote von 1-2 erhalten, hätte sie höchstwahrscheinlich nicht geklagt. Der eigentliche Beweggrund dürfte wohl eher ihre Note von 4,3 sein. Und wenn sie deswegen sogar das höchste deutsche Gericht beschäftigt, zeigt mir das zwei Dinge:
1. Die Gesamtnote von 4,3 ist gerechtfertigt.
2. Lehrer können mit Kritik nicht umgehen.

Dienstag, 7. Juli 2009

Umfragewerte für Juli 09

Es ist einmal wieder soweit: Eine Sonntagsumfrage für Juni 2009. Die Daten stammen, wie schon zurvor, von infratest-dimap und sind vom 02.07.09

Fangen mit der klassischen Frage an: Wenn heute Bundestagswahl wäre, wen würden Sie wählen?


Betrachten wir uns nun die Gewinne und Verluste im Vergleich zum Vormonat an:

Die SPD um 2 %-Punkte auf 23 % abgerucht. Doch profitieren kann die Union davon überhaupt nicht. Sie hat ebenfalls 1%-Punkt verloren. Lediglich FDP und Linke haben einen 1%-Punkt zugelegt. Schwarz/Gelb kommt somit rein rechnerisch auf 50 %. Rot/Rot/Grün schafft es nur 46 %. Bei der nächsten Bundestagswahl muß man jedoch bedenken, daß sie nach wie vor nach dem alten Wahlrecht abgehalten wird. Das bedeutet, daß eine Partei durch Überhangmandate mehr Sitze haben kann als ihr nach den Zweitstimmen zustehen. Dies kann zu einer Verzerrung der Kräfteverhältnisse führen. Je nach Anzahl Überhangmandate, brauchen 2 Parteien nicht unbedingt 50 % der Stimmen, um eine Mehrheit im Bundestag zu haben.

Bei der K-Frage hat sich nicht viel getan. Merkel liegt nach wie vor vorne.

Dazu muß man nichts weiter sagen. Steinmeier lag in dieser Frage noch nie vor Merkel. Und das wird auch niemals der Fall sein. Lediglich der Abstand zwischen den beiden variiert.

Dieses Mal hat infratest-dimap diese Frage auch nach den Parteianhänger aufgeschlüsselt. Dies ist das Ergebnis:

Man könnte ja nun meinen, die Anhänger der Parteien auf der rechten Seite entscheiden sich Merkel und die auf linken Seite für Steinmeier. Doch hier gibt es eine kleine Überraschung. Man werfe einmal einen Blick auf die Grünen! 47 % der Grüne-Anhänger würde sich für Merkel als Kanzler aussprechen. Das ist insofern überraschend, da die Grünen stehts betonen, die Schnittmengen mit der SPD seien am größten, womit die SPD Wunschpartner für eine Koalition ist. Dennoch ist die Mehrheit der Grünen-Anhänger für Merkel als Kanzler. Es stellt sich die Frage, wie es dazu kommt?

Sehen wir uns einmal die Politikerzufriedenheit an und dazu gleichzeitig die Veränderungen zum Vormonat:

In der Politikerzufriedenheit hat Steinmeier am meisten verloren. Dies kann ein Indiz für das Umschwenken der Grünen sein. Die Frage ist nun, ob diese Merkel-Präferierung der Grünen anhält oder nicht.

Es sieht aber auch aus anderer Sicht schlecht aus für die SPD.

Lediglich 28 % wollen diesen Monat noch, daß die nächste Bundesregierung von der SPD geführt werden soll. In der Frage verliert sie 9 % gegenüber dem Vormonat. Grund zum Jubeln hat die Union auch nicht wirklich. 48 % ist nicht die Mehrheit der Bevölkerung. Und wenn 52 %, also die Mehrheit, der Meinung sind, daß die nächste Bundesregierung nicht von der Union geführt werden sollte, dann sollte das jeden in der Union nachdenklich stimmen.

Es wurde diesesmal auch eine sehr wichtige Frage gestellt. Nämlich die Frage nach der Ehrlichkeit der Parteien.

Diese Ergebnisse sollten eigentlich bei allen Parteien die Alarmglocken läuten lassen. Durchschnittlich 71 % der Bürger halten die Parteien für unehrlich. Es scheint, als durchschauen die Wähler die Wahlprogramme der Parteien mit ihren vollmundigen Versprechungen. Sie entlarven sie offensichtlich als das, was sie sind: Bauernfänger! Entgegen dem Glauben der Politiker, sind die Bürger nicht nur mündig, sie verfügen auch ein gewisses Maß an Vernunft und Verstand.

Sehen wir uns diese Frage einmal aufgeschlüsselt nach Partei-Anhängern an:

Das die Anhänger einer Partei sie für ehrlich liegt in der Natur der Sache. Es ist eine gewisse Treue gegenüber der eigenen Partei, die dazu verpflichtet zu sagen: "Meine Partei ist ehrlich!" Aber werfen wir einmal einen Blick auf CDU, SPD und CSU! Es ist überaus interessant, daß selbst die Anhänger dieser Parteien mehrheitlich der Meinung sind, die eigene Partei sei nicht ehrlich! Das ist überaus bemerkenswert! Dieser Umstand sollte die Alarmglocken in den Präsidien dieser Parteien so laut läuten lassen, man davon taub wird.

Das es um die Glaubwürdigkeit von Politikern schlecht bestellt ist, zeigt auch die folgende Frage:




Gerade einmal 20 % halten die Aussage Merkels, es gäbe keine Steuererhöhung für glaubwürdig. Die Zahlen sprechen für sich.

Infratest-dimap stellte auch folgende Frage:

Diese Frage ist man mit Skepsis betrachten. Aufmerksam muß man bei der Fragestellung werden. Sie lautet: "Sind Steuererhöhungen in der nächsten Legislaturperiode nötig?" Die Crux liegt in dem Wort "nötig". Der Bürger hat die aktuelle Situation durchaus im Hinterkopf: zwei milliardenschwere Konjukturpakete, 86 Mird. Euro Neuverschuldung im nächsten Jahr, voraussichtlich 300 Mrd. Euro weniger an Einnahmen der öffentlichen Kassen. Wenn ich jemanden in dieser Situation die Frage stelle, ob eine Steuererhöhung nötig sei, wird er höchstwahrscheinlich "Ja" sagen. Wenn ich ihn jedoch frage, ob er bereit sei, mehr Steuern zu zahlen, wird er höchstwahrscheinlich mit "Nein" antworten.

Das dem so ist, belegt die nächste Frage:

Jeder der drei Vorschläge wird mehrheitlich abgelehnt. Steuerhöhungen halten zwar 44 % für nötig, aber kaum einer will mehr Steuern zahlen!

Fazit:
Durch diese Umfrage ist nun belegt was eigentlich schon allen wissen: Die Bürger halten die Parteien und die Politiker für unehrlich. Sie glauben ihnen mehrheitlich kein einziges Wort. Für den Berufsstand des Politikers ist das ein absolutes Armutszeugnis.