Nach dem Rücktritt Köhlers, bleiben jetzt noch 30 Tage Zeit, einen neuen Präsidenten zu wählen. Grundsätzlich kann dabei jede Fraktion einen Kandidaten vorschlagen. Ursprünglich hieß es, man wolle einen "parteiübergreifenden" Kandidaten suchen. Also einen Kandidaten, der von allen Parteien wählbar ist. Am Ende kam es jedoch, wie zu erwarten, anders, da SPD und Grüne den Kandidaten von Schwarz-Gelb nicht mittragen. So besinnten sie sich auf ein 60 Jahre altes Spiel und stellten einen eigenen Kandidaten auf.
Für Schwarz-Gelb geht Christian Wulff ins Rennen.

Wulff wurde am 1959 in Osnabrück geboren, ist zum zweiten Mal verheiratet und hat 2 Kinder. Seine politische Laufbahn, ist die ein klassischen Berufspolitikers, der er ja ist.
1975 Beitritt zur CDU bei.
1978-1980 Bundesvorsitzender der Schüler-Union.
1979-1983 Im Bundesvorstand der Jungen Union.
1983-1985 Landesvorsitzender der Jungen Union Niedersachsen.
Seit 1984 im Landesverband der CDU in Niedersachen.
1986-2001 Ratsherr der Stadt Osnabrück.
1989-1994 Beigeordneter und Vorsitzender der CDU-Ratsfraktion.
1994-2008 Landesvorsitzernder der CDU in Niedersachsen.
Seit 07.11.1998 einer von vier stellvertretenden Bundesvorsitzenden der CDU.
Seit 21.03.2003 Mitglieder im Vorstand der Konrad-Adenauer-Stiftung.
Wulff trat bei den Landtagswahlen 1994 und 1998 in Niedersachsen als Spitzenkandidat der CDU an und verlor beide Male gegen Gerhard Schröder. Erst im dritten Anlauf 2003 gelang es ihm Sigmar Gabriel zu schlagen. Bei der Wahl 2008 konnte er sich zwar als Ministerpräsident behaupten. Die CDU büßte jedoch 5,8 %-Punkte ein.
In Niedersachsen kürzte er die Mittel für die Hochschulen. 2005 strich er die pauschale Blindengeldzahlung. Durch heftigen Proteste, die er damit auslöste, führte er diesen Pauschalbetrag wieder ein. Allerdings in einer geringeren Höhe. Seine erste Amtszeit als Ministerpräsident war insgesamt von einem rigiden Sparkurs geprägt. Dadurch rechnet er es sich gerne als Verdienst, die Neuverschuldung Niedersachsens halbiert zu haben. Die eigentliche Schuldlast ist jedoch nicht reduziert worden.
Desweiteren führte er eine Schulreform durch, bei der die Orientierungsstufen (5. und 6. Klasse) angeschafft, und das Abitur bereits in der 12. Klasse einführt wurde. Abgeschafft hat er ebenfalls die Lernmittelfreiheit.
Mehr Stellen schuf er bei der Polizei. Und er führte eine Verwaltungsreform in Niedersachsen durch, bei die Bezierksregierungen abgeschafft wurden.
Frei von Skandalen ist natürlich auch ein Herr Wulff nicht. Im Dezember 2009 nahm Wulff für einen Ferienflug mit Air Berlin mit seiner Familie eine kostenlose Hochstufung in die teurere Businessklasse an. Da laut niedersächsischem Ministergesetz Mitglieder der Landesregierung nur Geschenke im Wert von bis zu zehn Euro annehmen
dürfen, leitete die Staatsanwaltschaft Hannover nach Erstattung einer Anzeige eine Untersuchung ein. Ziel war es herauszufinden, ob der Straftatbestand der Vorteilsannahme greife. Wulff gab an, seine Frau habe sich im Vorfeld des Fluges mit dem Chef der Fluggesellschaft unterhalten und daraufhin die kostenlose
Hochstufung angeboten bekommen.Erst durch eine Nachfrage des Nachrichtenmagazins Der Spiegel sei er sich des Gesetzesverstoßes bewusst geworden und habe
daraufhin den Differenzbetrag für die Tickets an die Fluggesellschaft gezahlt.
Auf eine kleine Anfrage der SPD im niedersächsischen Landtag antwortete die Staatskanzlei, Air Berlin habe von 2005 bis 2009 die Sommerfeste der niedersächsischen Landesvertretung in Berlin jeweils mit 7500 Euro gesponsert, es seien aber nie Fördermittel des Landes Niedersachsen an die Fluggesellschaft geflossen. Die Untersuchung der Staatsanwaltschaft Hannover ergab, dass es „keine zureichenden, tatsächlichen Anhaltspunkte für eine strafrechtlich relevante Vorteilnahme” gibt.
Rot-Grün hat Joachim Gauck als Kandidaten aufgestellt.

Gauck wurde 1940 in Rostock geboren. Er ist evangelischer Pastor und Bürgerrechtler. Im März 1990 wurde er von der ersten frei gewählten Volkskammer der DDR als deren Abgeordneter zum Vorsitzenden des
Sonderausschusses zur Kontrolle der Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS)/Amt für Nationale Sicherheit (AfNS) gewählt. Er ist der Hauptinitiator des
Stasi-Unterlagen-Gesetzes in der Volkskammer. Mit seiner Ex-Frau Hansi hat er 4 Kinder. Noch 1990 ließ er sich von ihr scheiden.
Werfen wir einen kurzen Blick auf seinen Lebenslauf:
1955 Mit seinem Cousin wird er ins Saarland eingeladen. Bis 1961 lernt er Teile des Westen kennen, darunter Paris, Hamburg oder West-Berlin
1958-1965 Theologiestudium in Rostock.
1971 Übernahme der Pastorenstelle in Rostock-Evershagen.
1982-1990 Leiter der Kirchentagsarbeit in Mecklenburg.
1988 Der Kirchentag dieses Jahre stand unter dem Eindruck der Reformen Gorbatschows. Höhepunkt war eine Rede von Helmut Schmidt in der Rostocker Marienkirche.
1989 wurde Gauck Mitglied des
Neuen Forums und bald zu dessen Sprecher. Er führte die Großdemonstrationen in Rostock an.
März-Oktober 1990 war er Abgeordneter für das Neue Forum in der Volkskammer der DDR. Dort übernahm der Leitung des
Sonderausschusses zur Kontrolle der Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS)/Amt für Nationale Sicherheit (AfNS).
28.09.1990 Gauck wird
Sonderbeauftragten für die personenbezogenen Unterlagen des ehemaligen Staatssicherheitsdienstes der DDR gewählt. Dies ist auch die letzte Arbeitssitzung der Volkskammer.
03.10.1990 Gauck wird vom Weizsäcker und Kohl in seiner Funktion als Sonderbeauftragter bestätigt.
02.01.1992 Inkrafttreten des Stasi-Unterlagen-Gesetzes. Damit wechselt Gaucks Amtsbezeichnung noch einmal. Sie lautet jetzt:
Bundesbeauftragter für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR. Damit entstand jene Behörde, die umgangssprachlich "Gauck-Behörde" genennt wird.
1995 Gauck wird für eine zweite Amtszeit als Leiter der Gauck-Behörde bestätigt.
1999 Gauck wird von der CSU als Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten vorgeschlagen.
2000 Seit diesem Jahr bekleidet er keine politischen Ämter mehr, da die Leitung der Gauck-Behörde per Gesetz auf 2 Amtszeiten beschränkt ist, und er Angeboten als Leiter der
Bundeszentrale für politische Bildung oder als Bundestagsabgeordneter der SPD ablehnte.
2003 Er wird Vorsitzender des Vereins
Gegen Vergessen - Für Demokratie!2008 In einer Rede wendet er sich gegen der größere Kapitalismuskritik, obwohl er den Kapitalismus für nicht perfekt und giererzeugend hält.
Gauck ist ein Mann, der sich als
„linken, liberalen Konservativen“ und
„aufgeklärten Patrioten“ bezeichnet. Er war 1993 kurzzeitig Mitglied der Grünen.
Fazit:Zur Wahl stehen zwei sehr unterschiedliche Männer. Ein Berufspolitiker und ein Pastor.
Zu Wulff muß man jedoch sagen, daß er von Merkel aus parteitaktischen Gründen nominiert wurde. Er hat in Niedersachsen selbst einen rigiden Sparkurs gefahren. Mit ihm wird es Merkel also wesentlich leichter haben, da er jedes Gesetz, egal wie so sinnvoll oder sinnlos es sein mag, abnicken wird. Für das Bundesverfassungsgericht wird das dann natürlich mehr Arbeit bedeuten. Aber ein Kandidat für die breite Masse der Bevölkerung ist er definitiv nicht. Das zeigt schon, daß bei einer Direktwahl lediglich 31 % für ihn stimmen würden.
Bei der Kandidatenkür hat die Opposition natürlich das alte Spiel gespielt und einen eigenen Kandidaten aufgestellt, weil ihr Wullf nicht genehm ist. Die Begründung dabei war, es soll ein Kandidat Präsident werden, der über den Parteien steht und alle Bevölkerungsgruppen ansprechen kann. Wenn man bedenkt, daß sich bei einer Direkt 40 % für Gauck entscheiden würden, dann scheint diese Argumentation zu stimmen. Untermauert wird sie dadurch, daß Gauck zwar auch Politiker, aber eben kein Berufspolitiker. Unterstützt wird dieses Argument auch von dem Umstand, daß Gauck schon lange nicht mehr Mitglied einer Partei ist.
Auch wenn sich in Teilen der FDP Sympathien für Gauck gebildet haben, wird Wulff dennoch gewinnen, und das höchstwahrscheinlich auch schon im ersten Wahlgang. Und das hat 3 Gründe:
- Die Koalition hat in der Bundesversammlung eine Mehrheit von 21 Stimmen.
- Die Linke stimmt nicht für Gauck.
- Trotz aller Querschüsse aus der FDP sind sie viel zu machtgierig, um mit einer Wahl von Gauck die Koalition zu sprengen.
Dennoch ist die Spekulation über den Wahlausgang interessant. Im ersten Wahlgang braucht der Kandidat eine absolute Mehrheit. Nehmen wir einmal an, Wulff verliert den ersten Wahlgang. Damit wäre zwar die Koalition am Ende, aber die Tage von Westerwelle und Merkel als Parteivorsitzende wären gezählt. Nehmen wir weiter an, Wulff verliert den auch zweiten Wahlgang, ab welchem der Kandidat nur noch eine einfache Mehrheit benötigt. Damit wäre das Ende der Koalition besiegelt. Auch wenn sie sich nicht sofort auflösen würde, würde sie dieses Jahr nicht überlegen. Nehmen wir zu letzt an, Wulff verliert alle 3 Wahlgänge, wird also nicht Präsident. Das würde das sofortige Aus von Schwarz-Gelb und das Ende der politischen Laufbahn von Merkel und Westerwelle bedeuten.