Samstag, 2. April 2011

Deutschland und seine Atomkraft–Teil 1: Die Grundlagen

Nach dem Erdbeben in Japan und den Ereignissen rund um das KKW Fokushima 1, redet man in Deutschland über nichts anderes, als über den Ausstieg aus der Kernenergie. Leider ist es auch jenes Thema, bei dem das Unwissen, welches die Menschen dabei immer wieder demonstrieren, eine geradezu tödliche Dosis erreicht hat. Deshalb will ich einmal ganz von vorne Anfangen. Nämlich bei den Grundlagen.


Was ist ein Kernkraftwerk?
Ein KKW ist ein Wärmekraft, in welchem man elektrische Energie durch kontrollierte Kernspaltung gewinnt.

Wie funktioniert ein Kernkraftwerk?
Im Kernreaktor entsteht durch Kernspaltung Wärme. Mit dieser Wärme wird Wasser aufgeheizt. Dadurch entsteht Wasserdampf. Dieser Wasserdampf wird nun unter Druck gesetzt und in eine Dampfturbine geleitet. Die Turbine wird angetrieben und ähnlich bei einem Fahrraddynamo entsteht elektrische Energie.

Die wichtigsten Komponenten eines KKW sind die folgenden:

Kernreaktor: Er ist das Herz des Kraftwerks. In seinem zentralen Teil, dem Reaktorkern, wird durch kontrollierte Kernspaltung Wärme erzeugt. Die Wärme erhitzt ein Kühlmittel, i.d.R. Wasser, das durch den Reaktor gepumpt wird, und dabei die Energie (in Form von Wärme) aus dem Reaktor abtransportiert. Da bei diesem Vorgang radioaktive Strahlung entsteht, ist der Reaktorkern mit einem Schutzschild umgeben, welcher die Strahlung absorbiert. Zusätzlich sind heute viele Reaktoren mit einem Kuppel aus Beton ausgestattet, die sie vor äußeren Einflüssen schützen soll.
Es gibt verschiedene Arten von Reaktoren, die sich nach dem verwendeten Kernbrennstoff, dem Kühlkreislauf und den Moderatoren unterscheiden.
Kernkraftwerk_mit_Druckwasserreaktor

Dampfturbine: Der heiße Wasserdampf wird in die Dampfturbine geleitet. Dort versetzt er die Schaufelräder der Turbine in Rotation. Die Turbine ist mit einem Generator verbunden. Die Dampfturbine ist in einem “Maschinenhaus” untergebracht, welches meistens baulich vom Reaktorgebäude getrennt ist. Es ist so konzipiert, daß im Falle einer Zerstörung der Turbine im laufenden Betrieb möglichst keine Trümmerteile in Richtung des Reaktors fliegen.
Niederdruck-Turbinenläufer

Generator: Der Generator wandelt die Bewegungsenergie der Turbine in elektrische um. In KKWs kommen für gewöhnlich sog. Turbogeneratoren zum Einsatz. Sie bilden zusammen mit der Turbine einen Turbosatz.
BalakovoNPP_turb

Hauptkühlmittelpumpe und Zwangsumwälzpumpe: Die Hauptkühlmittelpumpe hat im Falle von Druckwasserreaktoren  (s. Schema oben) die Aufgabe das Kühlmittel zwischen Reaktor und Dampferzeuger umzuwälzen. In westlichen KKWs wird der Kernreaktor mit vier solcher Pumpen bespeist, die baulich getrennt im Reaktorgebäude untergebracht sind. Es gibt daneben noch Notfalleinspeisungen, damit die Kühlung des Reaktorkerns auch weiterhin gewährleistet ist, solle die Hauptkühlmittelpumpe ausfallen.

Speisewasserpumpen: Mit Hilfe dieser Pumpen wird der Wasserstand im Dampferzeuger und im Kernreaktor geregelt. Auch hierfür extra Pumpen für den Notfall.

Notstromversorgung: Sie wird durch Dieselgeneratoren, die batteriegepuffert sind, sichergestellt. Sie dient unter anderem dem sicheren Herabfahren des Kernreaktors. Der größte der Leistung wird dabei für die Speise- und Notspeisepumpen verwendet, damit die Wärme, die weiterhin im Reaktor entsteht abführen zu können. Weniger wichtige Hilfssysteme werden dabei nicht versorgt.

Welche Aufgabe haben KKWs derzeit in der Gesamtstromproduktion?
Der Bau eines KKW ist vergleichsweise teuer. So betrugen die Baukosten für das KKW Krümmel damals umgerechnet rund 1,8 Mrd. Euro. Auch Baukosten von 4-5 Mrd. Euro sind heute keine Seltenheit. Die Kosten für den laufenden Betrieb sind jedoch vergleichsweise gering. Deshalb werden sie heute als Grundlastkraftwerke betrieben. Durch den Ausbau der regenerativen Energien, und der damit einhergehenden Flexibilisierung des Stromnetzes sind KKWs heute stärker als noch vor 10 oder 20 Jahren an der Lastregelung beteiligt. Dies hat seinen Grund vor allem darin, daß der Betreiber regenerativer Energien unter Umständen sogar einen Verlust machen kann. Dies liegt einfach in der Natur der Sache. Wind weht nicht permanent; Sonne scheint nicht permanent. Allerdings kann die Leistung eines KKWs nicht auf mehr als 50 % abgesenkt werden. Eine stärkere Reduktion der Leistung kann zu einer Überhitzung des Reaktors führen.

Welche Brennstoffe werden verwendet?
Als Kernbrennstoff wird in den meisten heute betriebenen KKWs angereichertes Uran eingesetzt. Nach 3 Jahren wird ein Brennelement ausgetauscht. Der Gehalt an dem für die Reaktion wichtigen Uran-Isotop 235U ist danach zu weit abgesunken. Darüber hinaus ist ein Teil des nicht spaltbaren Urans in den Brennelementen in Plutonium umgewandelt worden.

Wie effizient ist ein KKW?
Betrachtet man einmal den Wirkungsgrad, also das Verhältnis von zugeführter und gewonnener Leistung, so liegt der Wirkungsgrad eines KKWs, im Bezug auf den Energiegehalt eines Brennelementes, bei etwa 30-40 %.

Montag, 21. März 2011

Das Erdbeben in Japan

Wir neigen sehr leicht dazu, zu vergessen. Ein Erdbeben braucht, wie jede andere Naturkatastrophe keine großen Kommentare. Ich will daher lediglich den Ablauf in Erinnerung rufen und die Bilder für sich sprechen lassen.

11.03.2011, 14:45 Ortszeit
Ein Erdbeben der Stärke 8,8 auf der Richterskala erschüttert die japanische Hauptinsel Honshu im Norden. Das Zentrum des Bebens liegt im Pazifik etwa 130 km entfernt von der Stadt Sendai.
Japan_sea_map

11.03.2011, 14:56 Ortszeit
Die meteorologische Behörde in Japan gibt eine Tsunamiwarnung heraus.

11.03.2011, 15:26 Ortszeit
Die erste von zwei Wellen erreicht das Festland. Die Welle hat eine Höhe von etwa 4 Metern.

11.03.2011, 15:30 Ortszeit
Die Erdbebenwarte in den USA stuft die Stärke des Bebens auf 8,8 ein. Die meteorologische Behörde in Japan gibt eine Warnung vor einem Tsunami heraus.

11.03.2011, 16:08 Ortszeit
In Tokio sind rund 4 Millionen Menschen ohne Strom. Nach dem Erdbeben haben die Kraftwerke in den Präfekturen Fokushima und Miyagi automatisch abgeschaltet.

11.03.2011, 16:11 Ortszeit
Ein zweiter Tsunami trifft Japan. Er hat eine Höhe von 10 m und überspült die Stadt Sendai.

11.03.2011, 16:25 Ortszeit
Die Tsunamiwarnung wird ausgedehnt. Als erstes reagiert Hawaii. Ebenfalls in Taiwan, den Philippinen und Indonesien werden Tsunamiwarnungen herausgegeben.

11.03.2011, 17:02 Ortszeit
Ein dritter Tsunami mit einer Höhe von 7 m trifft Japan. Er trifft auf das japanische Festland südlich von Sendai in der Präfektur Fokushima. Die Behörden geben eine Warnung vor weiteren Tsunamis und Nachbeben heraus.

11.03.2011, 17:54 Ortszeit
Die Erbebenzentrale der USA hat bis zu diesem Zeitpunkt 18 Nachbeben registriert. Das stärkste hatte einen Wert von 7,1. In den AKWs der schwer betroffenen Präfekturen wurde der Alarmstatus erhöht. Es gilt der “abnormale Zustand”. Dies ist ein Zeichen dafür, daß die AKWs stärker in Mitleidenschaft gezogen wurden, als vermutet.

11.03.2011, 18:02 Ortszeit
Die Behörden geben einen ersten Statusbericht. Zu diesem Zeitpunkt ist von 18 Toten die Rede.

11.03.2011, 20:25 Ortszeit
Der japanische Premierminister Kan ruft den Atomalarm aus, obwohl noch keine Lecks in den AKWs festgestellt wurden. Dadurch können die Behörden jedoch leichter Notmaßnahmen ergreifen.

11.03.2011, 20:38 Ortszeit
Peru, Chile und Ecuador geben eine Tsunamiwarnung aus. In Japan überrollt ein weiterer Tsunami die Küste. Er trifft die Soma und hat eine Höhe von über 7 m.

11.03.2011, 20:58 Ortszeit
Der letzte Tsunami hat ein Schiff mit 100 Passagieren fortgespült. Die offizielle Zahl der Toten liegt nun bei 60.

11.03.2011, 21:51 Ortszeit
Die Behörden fordern 2 000 Anwohner, die in einem Umkreis von 3 km um ein AKW in der Präfektur Fokushima auf, ihre Häuser zu verlassen.

11.03.2011, 22:33 Ortszeit
Die Zahl der Toten wird von den Behörden nach oben korrigiert. Allein in der Stadt Sendai fanden die Helfer 200-300 Tote am Strand liegen.

11.03.2011, 23:58 Ortszeit
In der Stadt Kesennuma, die nahe des Epizentrums liegt, sind großflächige Brände ausgebrochen.

12.03.2011, 01:55 Ortszeit
Die Behörden gehen jetzt von mehr als tausend Toten aus. In der Präfektur Fokushima wurden rund 1 800 Häuser zerstört.

20.03.2011
Die japanische Polizei teilte mit, daß sich die Zahl der Toten aus 8 133 beläuft. 12 272 Menschen gelten offizielle als vermißt.