Er war es die Finanzkrise über die alle Sprachen. Jetzt ist es Opel. Und düster sind diese Schlagzeilen. Von Pleite, Konkurs, Insolvenz und Staatsbürgschaft ist die Rede. "Opel muß überleben!", war eine oftgenannte Forderung von vielen Seiten in den letzten Tagen.
Vor 146 begann Adam Opel mit dem Bau von Nähmaschinen. 1886 verließ das erste Fahrrad aus dem Hause Opel die Fabrik. 1898, drei Jahre nach dem Tode des Firmengründers, der nie Autos produzieren wollte, begannen seine Söhne mit dem Automobilbau. 1928 war Opel mit 44 Prozent aller in Deutschland produzierten Kraftfahrzeuge größter Fahrzeughersteller Deutschlands. Am 3. Dezember 1928 erfolgte die Änderung der Rechtsform des Unternehmens von einer Kommanditgesellschaft in eine Aktiengesellschaft. Am 17. März 1929 verkauften Wilhelm von Opel und sein Bruder Friedrich Opel 80 Prozent der Unternehmensanteile an den amerikanischen Automobilkonzern General Motors. 1931 gaben sie das Unternehmen endgültig aus der Hand der Familie Opel.
Die 1960er und 1970er Jahre waren die große Blütezeit der Firma Opel, die damals nach VW der zweitgrößte deutsche Automobilhersteller und in einigen Fahrzeugklassen sogar Marktführer war. Am 9. Juli 1964 lieferte Opel den fünfmillionsten Wagen aus. Die Produktion in Bochum lief auf Hochtouren: 1965 sind 500.000 Kadett hergestellt – nur 21 Monate später ist die Million erreicht. Im gleichen Jahr 1966 wird das Zweigwerk Kaiserslautern eröffnet, das Gelenkwellen, Stoßdämpfer und Fahrwerkteile herstellt.
In den Jahren 1980 bis 1982 sorgt die zweite Ölkrise in der gesamten Autobranche für einen tiefen Rückschlag, der mit fast 20 Prozent schlimmer war als zur Weltwirtschaftskrise 1929/30. Das erste Mal seit 1950 schreibt Opel rote Zahlen: 411 Millionen DM im Jahre 1980. Über 7500 Beschäftigte werden, teilweise mit Abfindungen, entlassen.
1962 beschäftigt die Adam Opel AG 35.000 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von 2,2 Milliarden DM.
1972 sind 59.200 Mitarbeiter bei Opel beschäftigt und erzielen einen Jahresumsatz von 6,5 Milliarden DM.
1990 sind im Opel-Konzern 57.400 Mitarbeiter beschäftigt bei einem Jahresumsatz von 23,708 Milliarden DM.
Seit Ende der 1980er Jahre führten durch rigorose Sparmaßnahmen bedingte Qualitätprobleme und ein wenig innovatives Design zu einer negativen Imageentwicklung der Marke Opel, insbesondere im Vergleich zum Hauptkonkurrenten VW. Mitte der 1990er Jahre kam es zur so genannten López-Affäre um den ehemaligen Opel-Manager José Ignacio López de Arriortúa, der für viele der Maßnahmen (Lopez-Effekt) verantwortlich war. Ihm wurde vorgeworfen, bei seinem Wechsel 1993 zu VW interne Unterlagen von Opel an seinen neuen Arbeitgeber weitergegeben zu haben.
Auch wegen Abstimmungsschwierigkeiten zwischen der europäischen Zentrale von GM in Zürich und der Opel-Zentrale in Rüsselsheim und des wenig glücklichen Agierens der in rascher Folge wechselnden, meist aus den USA entsandten Opel-Vorstände kam es immer wieder zu Problemen und Versäumnissen bei Modellpolitik, Produktion und Qualitätssicherung.
Diese Fehler ließen den Marktanteil von Opel stark zurückgehen, bis zum Tiefpunkt von 9,1 Prozent im Jahre 2007. Eine anhaltend schlechte Konjunktur drückte zusätzlich auf die Absatzzahlen. Die daraus resultierenden Milliardenverluste führten zu einem drastischen Programm zum Abbau von Kapazitäten und Mitarbeitern. Im Werk Bochum, wo von ursprünglich bis zu 23.000 Arbeitsplätzen nur noch rund 6000 Arbeitsplätze erhalten bleiben sollten, kam es deswegen im Oktober 2004 zu einem mehrtägigen Streik der Belegschaft, der mit einem Teilerfolg endete. Im Jahr 2006 hatte Opel in Deutschland nur noch 27.661 Mitarbeiter – zehn Jahre zuvor waren es noch 46.000.
Da Opel-Aktien nicht an der Börse notiert sind, wurde zum Bürokratieabbau und zur Kostensenkung die Adam Opel AG in eine GmbH umgewandelt. Am 7. Dezember 2005 erfolgte die Eintragung der Adam Opel GmbH ins Handelsregister.
Warum geht es Opel heute besonders schlecht?
So besonders schlecht geht es Opel eigentlich nicht. Aber Opel ist eine Tochtergesellschaft von General Motors. GM leidet unter dem gleichen Problem, wie alle anderen US-Autohersteller, nämlich einer völlig verfehlten Produktpolitik, sie in eine Zeit paßt, die seit der ersten Ölkrise 1980 vorbei ist. sie konnten jedoch bei dieser Produktpolitik bleiben, daß bei den Amerikanern die Devise "Everything is big!" gilt. Aber auch damit ist es vorbei. Der Absatz der 3 großen Hersteller aus US sinkt seit Jahren. Allein 2006 sank der Absatz von GM um 8,7 %, von Ford um 8 % und Chrysler um 5,5 % im Vergleich zu 2005. Im gleichen Zeitraum stieg der Absatz aller anderen Hersteller in den USA. Die beiden größten Gewinner sind hier Toyota mit einem Plus von 12,5 %, und Mercedez-Benz mit einem Plus von 10,6 %. GM schreibt, wie Ford und Chrysler, seit 5 Jahren Verluste. Allein in den ersten 3 Quartalen 2008 liegt der Verlust von GM bei rund 26 Milliarden Dollar.
Nach dem Mutter-Tochter Prinzip können Gewinnen und Verluste zwischen Mutterkonzern und dessen Tochterunternehmen ausgeglichen werden. Das ist nichts ungesetzliches. Und das genau das tat GM. Es schob einen Verlust von 2 Milliarden in diesem Jahr auf das Konto der Adam Opel GmbH. Dadurch leidet nun die Kreditwürdigkeit von Opel. Aber liquide ist Opel. Noch!
Fazit:
Im Sommer sprachen wir noch alle von einer Finanzkrise. Die Staaten reagierten darauf angemessen mit Rettungspaketen, um das verlorengegangene Vertrauen zwischen den Banken und zwischen Banken und Kunden wiederherzustellen.
Nun es aber so, wenn ein Bürger verunsichert ist, ob er morgen noch an sein Geld kommt, oder ob er morgen überhaupt noch Arbeit hat, hält er sich mit seinem Konsum zurück. Er spart nun wahrlich nicht bei allem. Er spart vor allem bei teueren Anschaffungen. Und eine der teuersten Anschaffungen ist nun einmal ein Auto.
Die Autohersteller in Europa vertreten zwar eine weitgehend richtige Produktpolitik, aber deren Absatz sank, als Ölpreis und damit auch der Benzinpreis immer weiter anstieg. Hinzu kam noch eine Verunsicherung durch die Politik. In der EU diskutierte man über "Strafzahlungen" der Autohersteller, wenn deren Fahrzeugflotte einen bestimmten Abgaswert übersteigt. In Deutschland selbst diskutierte man wieder über eine Änderung der KFZ-Steuer. Berechnungsgrundlage soll nicht mehr der Hubraum, sondern der CO2-Austroß sein. Wenn ein Bürger nicht weiß, was morgen ist, sichert er sich ab. In diesem Falle: Er kauft kein Auto.
Auch in den USA hatte mit steigenden Benzinpreisen zu kämpfen. Die Autohersteller reagierten darauf aber nicht mit verbrauchsarmen Modellen. Im Gegenteil: Bei der diesjährigen Autoshow in Detroit präsentierten sie nach wie riesige Spritschlucker wie den Hummer. sie habe absolut nichts dazugelernt.
Nun, wo die Karre im Dreck steckt, soll der Staat eingreifen. Ein Rettungsschirm wird gefordert. Die Begründung: Wenn der Staat einen solchen Schirm über die Banken spannt, so kann er das auch über die Autoindustrie. Und so wird in der EU derzeit über einen Rettungsplan für die Autoindustrie beraten. Ein solcher Plan ist in den USA vorerst gescheitert. "Bis sie uns nicht sagen, wie sie das Geld zur Rettung ihrer Firmen einsetzen wollen, können wir ihnen kein Geld geben.", sprach Nanci Pelosi, die Vorsitzende des Repräsentantenhauses.
Ich persönlich habe mit einem Auto-Rettungsschirm ein Problem. Wenn ein Unternehmen alles richtig gemacht hat; ein Produkt anbietet, das in die heutige Zeit paßt; und lediglich unter der Konjukturdelle leidet, seine Probleme also nicht selbst verschuldet sind; dann kann der Staat, so meine ich, als Bürge einspringen. Wenn das Unternehmen jedoch seine Probleme selbst verschuldet hat, und die Autobauer in den USA haben ihre Probleme selbst verschuldet, und sie bereits in diesem Jahr bewiesen haben, daß sie nichts dazugelernt haben, dann sollen sie untergehen.
Man traue keinem erhabenen Motiv für eine Handlung, wenn sich auch ein niedriges finden läßt. (Edward Gibbon)
Freitag, 21. November 2008
Mittwoch, 19. November 2008
We need change!
Obama ist noch nicht der Präsident der USA.
Am 4. November wurde, entgegen der langläufigen Meinung, Barack Obama nicht zum Präsidenten der USA gewählt. Was gewählt wurde, waren die Wahlmänner. Diese wählen im Dezember den Präsidenten, der dann am 20. Januar vereidigt wird.
Warum gilt Obama bereits als Präsident?
Obama erhielt bei der Wahl 365 der 538 Wahlmännerstimmen. Nötig sind 270 um die Wahl zu gewinnen. Diese 365 Wahlmänner werden nun im Dezember Barack Obama offiziell zum nächsten Präsidenten der USA wählen.
Kam Obamas Sieg überraschend?
Nein! In allen Umfragen lag Obama vorne. McCain hatte eigentlich von Beginn an keine Chance. Die Stimmanteile der Kandidaten für die gesamten USA lagen bei 53 % für Obama und 46 % für McCain. Für die meisten Amerikaner war McCain die Fortsetzung von G.W. Bush. Der junge Obama schlug genau daraus Kapital und verkündete: Acht Jahre Bush sind genug. Wir brauchen einen Wechsel. Und damit hatte er Erfolg.
Betrachten wir dazu ein paar Zahlen:











Fazit:
Was waren wir alle begeistert, als das Ergebnis feststand. Wir haben alle mitgejubelt, als hätte bei uns die Wahl stattgefunden, als hätten wir selbst gewählt. Ich sprach 2 Tage danach mit einem Bekannten von mir, der in Texas lebt. Auch er war begeistert. "We need change", sagte er. So einfach Obamas Botschaft vom Wechsel und sein "Ja, wir können es!" war, so eingängig und erfolgreich war sie. Aber gewählt wurde er von den meisten Amerikanern nicht wegen des Irakkrieges oder Guantanamo oder einer Verbesserung der Beziehungen zu Europas. Jene Themen von denen wir uns einen Wechsel erhoffen, spielten bei der Wahl nur eine geringe Rolle. Gewählt wurde er wegen der Innenpolitik, um genau zu sein, wegen der Wirtschaft. Für die Amerikaner hatte er die besseren Antworten auf die Wirtschafskrise.
Aber ist das so verwunderlich?
Nein! Wir wählen einen Kandidaten nicht, weil er der Welt etwas Gutes tun soll. Wir wählen ihn, weil wir für uns selbst eine Verbesserung erhoffen. Obama ist Präsident der USA und NICHT Präsident der Welt. Er hat sich in erster Linie um die Probleme der USA zu kümmern, und die sind wahrlich groß genug. Diese hohen Erwartungen, die die ganze Welt in ihn gesetzt hat, wird er höchstwahrscheinlich nicht erfüllen können. Daher ist es gefährlich, in jemanden zu hohe Erwartungen zu setzen. Es führt zwangsläufig zu einer Enttäuschung. Die Welt ist daher gut damit beraten, von ihren Erwartungen wieder Abstand zu nehmen.
Am 4. November wurde, entgegen der langläufigen Meinung, Barack Obama nicht zum Präsidenten der USA gewählt. Was gewählt wurde, waren die Wahlmänner. Diese wählen im Dezember den Präsidenten, der dann am 20. Januar vereidigt wird.
Warum gilt Obama bereits als Präsident?
Obama erhielt bei der Wahl 365 der 538 Wahlmännerstimmen. Nötig sind 270 um die Wahl zu gewinnen. Diese 365 Wahlmänner werden nun im Dezember Barack Obama offiziell zum nächsten Präsidenten der USA wählen.
Kam Obamas Sieg überraschend?
Nein! In allen Umfragen lag Obama vorne. McCain hatte eigentlich von Beginn an keine Chance. Die Stimmanteile der Kandidaten für die gesamten USA lagen bei 53 % für Obama und 46 % für McCain. Für die meisten Amerikaner war McCain die Fortsetzung von G.W. Bush. Der junge Obama schlug genau daraus Kapital und verkündete: Acht Jahre Bush sind genug. Wir brauchen einen Wechsel. Und damit hatte er Erfolg.
Betrachten wir dazu ein paar Zahlen:











Fazit:
Was waren wir alle begeistert, als das Ergebnis feststand. Wir haben alle mitgejubelt, als hätte bei uns die Wahl stattgefunden, als hätten wir selbst gewählt. Ich sprach 2 Tage danach mit einem Bekannten von mir, der in Texas lebt. Auch er war begeistert. "We need change", sagte er. So einfach Obamas Botschaft vom Wechsel und sein "Ja, wir können es!" war, so eingängig und erfolgreich war sie. Aber gewählt wurde er von den meisten Amerikanern nicht wegen des Irakkrieges oder Guantanamo oder einer Verbesserung der Beziehungen zu Europas. Jene Themen von denen wir uns einen Wechsel erhoffen, spielten bei der Wahl nur eine geringe Rolle. Gewählt wurde er wegen der Innenpolitik, um genau zu sein, wegen der Wirtschaft. Für die Amerikaner hatte er die besseren Antworten auf die Wirtschafskrise.
Aber ist das so verwunderlich?
Nein! Wir wählen einen Kandidaten nicht, weil er der Welt etwas Gutes tun soll. Wir wählen ihn, weil wir für uns selbst eine Verbesserung erhoffen. Obama ist Präsident der USA und NICHT Präsident der Welt. Er hat sich in erster Linie um die Probleme der USA zu kümmern, und die sind wahrlich groß genug. Diese hohen Erwartungen, die die ganze Welt in ihn gesetzt hat, wird er höchstwahrscheinlich nicht erfüllen können. Daher ist es gefährlich, in jemanden zu hohe Erwartungen zu setzen. Es führt zwangsläufig zu einer Enttäuschung. Die Welt ist daher gut damit beraten, von ihren Erwartungen wieder Abstand zu nehmen.
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US-Wahl 2008
Montag, 3. November 2008
Ypsilantis Abschied
Heute ist passiert, was eigentlich vorauszusehen war: Insgesamt 4 Abgeordnete der SPD verweigern Ypsilanti die Gefolgschaft. Diese 4 sind Jürgen Walter, Dagmar Metzger, Carmen Everts und Silke Tesch. Sie traten heute morgen vor die Presse und verkündeten folgendes:
"Meine Damen und Herren, wir - das sind die Abgeordneten Silke Tesch, Dagmar Metzger und Jürgen Walter - haben eine für uns außerordentlich schwere Entscheidung getroffen. Wir haben heute Vormittag die SPD-Landes- und Fraktionsvorsitzende Andrea Ypsilanti darüber informiert, dass wir die Bildung einer rot-grünen Minderheitsregierung mit den Stimmen der Linkspartei nicht mittragen können. Das bedeutet, dass wir bei der morgigen Wahl im Landtag nicht zustimmen. Wir erklären dies heute in aller Öffentlichkeit, im Bewusstsein auch der Konsequenzen. Wir werden unser Landtagsmandat behalten und bieten unserer Fraktion auch weiterhin die Mitarbeit an."
Worum geht es dabei eigentlich?
Im Januar fanden in Hessen Landtagswahlen statt. Diese führten zu folgendes Ergebnis:


Das Ergebnis führte zu einem Problem. Die CDU fühlte sich als Gewinner der Wahl, da sie nach den Zahlen die stärkste Fraktion ist. Die SPD fühlte sich aber ebenfalls als Gewinner, auf Grund eines Stimmzuwachses von über 7 %.
Die Parteien selbst haben vor der Wahl bereits den Fehler gemacht, sich auf eine bestimmte Koalition festzulegen. Bestimmte Möglichkeiten waren damit von Beginn an ausgeschlossen. Ypsilanti hat sich daher auf gewagtes Spiel eingelassen. Sie wollte sich, mit Hilfe der Linken, zur Ministerpräsidentin wählen lassen. Da Rot-Grün allerdings die nötigen Stimmen für eine Mehrheit fehlen, hätte dies eine Minderheitsregierung bedeutet, die auf die Unterstützung der Linken angewiesen wäre. Damit hätte sie ein Versprechen, das sie vor der Wahl gab und gebetsmühlenartig wiederholte, gebrochen.
Wie soll es nun weitergehen?
Betrachten wir einmal die Koalitionsmöglichkeiten:
In den letzten Wochen und Monaten meinten viele den Hessen sagen zu müssen, welche Regierung zu haben sollen. Besonders seitens der CDU wurden regelrechte Kreuzzugspredigten gegen die Linke gehalten. Hier muß einmal eines klarstellen:
Wer in Hesse regiert, deß bestimme miä Hesse ällaa. Und wem des net baßt, der soll d' Fäderalismus abschaffe. Miä habbe im Januar Koch vor die Diä gesetzt. Wir haben nur vergessen eine neue Regierung zu wählen. Aber das kann uns ja nicht unbedingt zum Vorwurf machen.
Es wurde in den letzten Wochen viel über Gier gesprochen. Besonders Politiker neigten dazu, Managern und Wirtschaftbossen Gier vorzuwerfen, und deswegen die aktuelle Finanzkrise verursacht zu haben. Doch Politiker sind ebenso gierig wie jeder andere auch. Bei einem Politiker ist es sogar noch schlimmer. Er giert nämlich nach Macht. Mit nichts anderem kann man das Herz eines Menschen so leicht verführen, wie mit Macht. Wer einmal Macht inne hat wird sie freiwillig nicht wieder aus der Hand geben. Helmut Kohl ist ein hervorragendes Beispiel dafür. Er war 16 Jahre lang Bundeskanzler. Er trat ein fünftes Mal zu einer Wahl und wurde nun endlich abgewählt. Hätte er gegen Gerhard Schröder gewonnen, wäre er noch sechstes und siebtes Mal angetreten.
Nach der Wahl im Januar kam es zu einer ganzen Reihe von Peinlichkeiten aller Parteien. Das es zu Neuwahlen kommen wird, stand bereits im März fest, als Ypsilanti verkündete sich von der Linken wählen lassen zu wollen und Dagmar Metzger ihr die Gefolgschaft verweigerte.
Koalitionsverhandlungen waren bei dem Wahlergebnis schwierig, aber nicht unmöglich. Die Herrschaften in Wiesbaden hätten uns diese peinlichen Theaters der letzten Monate ersparen können, wenn sie von ihrer Gier nach Macht Abstand genommen hätten. Besonders Koch hätte dies leicht fallen sollen, da er 2 Dinge in Hessen erreicht hat, die bislang für die Hessen-CDU einmalig sind:
1. Er wurde zwei Mal zum Ministerpräsidenten gewählt.
2. Er konnte eine absolute Mehrheit erringen.
Auch Ypsilanti hätte zurücktreten sollen. Sie hat vergessen, daß ein Politiker gewählt wird, um den Bürgern, von denen er gewählt wurde und dem Land, in dem er gewählt wurde zu dienen.
Dieses Schmierentheater in Wiesbaden hat dem Ansehen Hessens und der Hessen in der Bundesrepublik geschadet. Die Parteien haben sich selbst einen Bärendienst erwiesen. Die Parteifunktionäre haben eigentlich nur bewiesen, daß es ihnen nicht um Land und Leute geht, sondern nur um Erhalt bzw. das Erlangen von Macht.
"Meine Damen und Herren, wir - das sind die Abgeordneten Silke Tesch, Dagmar Metzger und Jürgen Walter - haben eine für uns außerordentlich schwere Entscheidung getroffen. Wir haben heute Vormittag die SPD-Landes- und Fraktionsvorsitzende Andrea Ypsilanti darüber informiert, dass wir die Bildung einer rot-grünen Minderheitsregierung mit den Stimmen der Linkspartei nicht mittragen können. Das bedeutet, dass wir bei der morgigen Wahl im Landtag nicht zustimmen. Wir erklären dies heute in aller Öffentlichkeit, im Bewusstsein auch der Konsequenzen. Wir werden unser Landtagsmandat behalten und bieten unserer Fraktion auch weiterhin die Mitarbeit an."
Worum geht es dabei eigentlich?
Im Januar fanden in Hessen Landtagswahlen statt. Diese führten zu folgendes Ergebnis:


Das Ergebnis führte zu einem Problem. Die CDU fühlte sich als Gewinner der Wahl, da sie nach den Zahlen die stärkste Fraktion ist. Die SPD fühlte sich aber ebenfalls als Gewinner, auf Grund eines Stimmzuwachses von über 7 %.
Die Parteien selbst haben vor der Wahl bereits den Fehler gemacht, sich auf eine bestimmte Koalition festzulegen. Bestimmte Möglichkeiten waren damit von Beginn an ausgeschlossen. Ypsilanti hat sich daher auf gewagtes Spiel eingelassen. Sie wollte sich, mit Hilfe der Linken, zur Ministerpräsidentin wählen lassen. Da Rot-Grün allerdings die nötigen Stimmen für eine Mehrheit fehlen, hätte dies eine Minderheitsregierung bedeutet, die auf die Unterstützung der Linken angewiesen wäre. Damit hätte sie ein Versprechen, das sie vor der Wahl gab und gebetsmühlenartig wiederholte, gebrochen.
Wie soll es nun weitergehen?
Betrachten wir einmal die Koalitionsmöglichkeiten:
- Jamaika (=schwarz-gelb-grün): Anzahl der Sitze: 62. Diese Möglichkeit wird an den Grünen scheitern. Sie haben immer wieder gesagt, sie wollen einen Politikwechsel. Das bedeutet nichts anderes als Kochs Abdankung.
- Ampel (=rot-gelb-grün): Anzahl der Sitze: 62. Das wird an der FDP scheitern, da ihr Vorsitzender sich auch weiterhin weigern wird mit der "linksgerichteten" SPD zu verhandeln.
- Linksbündnis (=rot-rot-grün): Anzahl der Sitze: 57. Das diese Möglichkeit de facto nicht existent ist haben die 4 Abweichler heute bewiesen.
- Große Koalition (=schwarz-rot): Anzahl der Sitze: 84. Auch diese Möglichkeit ist unwahrscheinlich, da Koch und Ypsilanti zurücktreten müßten, was sie allerdings nicht tun werden.
- Neuwahlen: Dies ist die einzige Möglichkeit, die es noch gibt, und die letztlich auch vollzogen wird.
In den letzten Wochen und Monaten meinten viele den Hessen sagen zu müssen, welche Regierung zu haben sollen. Besonders seitens der CDU wurden regelrechte Kreuzzugspredigten gegen die Linke gehalten. Hier muß einmal eines klarstellen:
Wer in Hesse regiert, deß bestimme miä Hesse ällaa. Und wem des net baßt, der soll d' Fäderalismus abschaffe. Miä habbe im Januar Koch vor die Diä gesetzt. Wir haben nur vergessen eine neue Regierung zu wählen. Aber das kann uns ja nicht unbedingt zum Vorwurf machen.
Es wurde in den letzten Wochen viel über Gier gesprochen. Besonders Politiker neigten dazu, Managern und Wirtschaftbossen Gier vorzuwerfen, und deswegen die aktuelle Finanzkrise verursacht zu haben. Doch Politiker sind ebenso gierig wie jeder andere auch. Bei einem Politiker ist es sogar noch schlimmer. Er giert nämlich nach Macht. Mit nichts anderem kann man das Herz eines Menschen so leicht verführen, wie mit Macht. Wer einmal Macht inne hat wird sie freiwillig nicht wieder aus der Hand geben. Helmut Kohl ist ein hervorragendes Beispiel dafür. Er war 16 Jahre lang Bundeskanzler. Er trat ein fünftes Mal zu einer Wahl und wurde nun endlich abgewählt. Hätte er gegen Gerhard Schröder gewonnen, wäre er noch sechstes und siebtes Mal angetreten.
Nach der Wahl im Januar kam es zu einer ganzen Reihe von Peinlichkeiten aller Parteien. Das es zu Neuwahlen kommen wird, stand bereits im März fest, als Ypsilanti verkündete sich von der Linken wählen lassen zu wollen und Dagmar Metzger ihr die Gefolgschaft verweigerte.
Koalitionsverhandlungen waren bei dem Wahlergebnis schwierig, aber nicht unmöglich. Die Herrschaften in Wiesbaden hätten uns diese peinlichen Theaters der letzten Monate ersparen können, wenn sie von ihrer Gier nach Macht Abstand genommen hätten. Besonders Koch hätte dies leicht fallen sollen, da er 2 Dinge in Hessen erreicht hat, die bislang für die Hessen-CDU einmalig sind:
1. Er wurde zwei Mal zum Ministerpräsidenten gewählt.
2. Er konnte eine absolute Mehrheit erringen.
Auch Ypsilanti hätte zurücktreten sollen. Sie hat vergessen, daß ein Politiker gewählt wird, um den Bürgern, von denen er gewählt wurde und dem Land, in dem er gewählt wurde zu dienen.
Dieses Schmierentheater in Wiesbaden hat dem Ansehen Hessens und der Hessen in der Bundesrepublik geschadet. Die Parteien haben sich selbst einen Bärendienst erwiesen. Die Parteifunktionäre haben eigentlich nur bewiesen, daß es ihnen nicht um Land und Leute geht, sondern nur um Erhalt bzw. das Erlangen von Macht.
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