oder
Was man Wahlkampf nennen kann!
In rund vier Wochen ist Bundestagswahl. Normalerweise würde man nun erwarten, daß sich alle Parteien bekämpfen, wetteifern, streiten, sich eine Schlacht um die besseren Konzepte und Ideen liefern. Aber weit gefehlt. Nichts davon ist zu hören. Die Kanzlerin schmeichelt sich gerne ein und geht jeder Konfrontation aus dem Weg. Der Herausforderer wird zum Erklärbär und hat die Kanonen nicht einmal ausgefahren. Von den Grünen hört man so gut wie gar nichts. Man könnte fast meinen, es gäbe keine Wahl und damit auch keinen Wahlkampf. Wäre da nicht eine Partei, die unbedingt einen Politikwechsel will. Und eine bayerische Miezekatze, die unbedingt möglichst viel Macht behalten will. Seit zwei bis drei liefern sich FDP und CSU einen peinlichen Grabenkampf.
Wie fing es an?
Vor knapp drei Wochen entbrannte ein Streit um Posten. Um genau zu sein, ging es hier vor allem um den Posten des Wirtschaftsministers. Diesen hätte die FDP gerne für sich, da sie die Wirtschaftskompetenz seit jeher für sich reklamiert.
Dies paßte jedoch der CSU nicht. Als Begründung fühte sie die Beliebtheit zu Guttenbergs an. Auch Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff hält zu Guttenberg für eine "Idealbesetzung" und meinte, die FDP solle auf dieses Amt verzichten.
Der Streit eskalierte jedoch schnell. Angeheizt wurde er von CDU-Generalsekretär Dobrindt: "Die FDP ist eine Partei ohne Köpfe und ohne Konzept", sagte Dobrindt dem "Spiegel". Niebel und Brüderle wollten mir ihren "Grobheiten" gegenüber der CSU nur davon ablenken. Auch sei Brüderle, der als möglicher Kandidat für das Amt des Wirtschaftsministers gilt, "nun wirklich keine ernstzunehmende Alternative" zu Guttenberg. Auch kritisierte Drobrindt das Wirtschaftskonzept der FDP. "Das Wirtschaftskonzept der Liberalen passt auf eine Seite, denn es besteht nur aus Flat-Tax und pauschalen Subventionskürzungen." Dies seien "Ideen von vorgestern" und zeuge von "geistiger Windstille".
Darauf gab es natürlich eine Antwort von der FDP. Brüderle attackierte seinerseits Seehofer: "Herr Seehofer verfolgt da eine wenig intelligente Strategie. Die CSU setzt auf parasitäre Publizität. Das heißt, sie profiliert sich zulasten der Formation, mit der sie eigentlich die Wahl gewinnen will."
FDP-Chef Westerwelle hatte nun diese Woche einen leichten Anflug von geplatzten Kragen und meinte, es sei "Schluß mit lustig!" Dobrindt griff dies natürlich gleich auf und kommentierte es mit: "Schluss mit lustig? Es braucht für einen Spaßpolitiker wie Westerwelle wohl viel Überwindung, dass ihm das über die Lippen kommt."
Und auch Seehofer selbst mischt kräftig mit: "Wenn Herr Westerwelle glaubt, es wird nach der Wahl ein neoliberales Streichkonzert geben, lernt er den Widerstandsgeist der CSU kennen." Dabei nannte er ganze Reihe von FDP-Forderungen, so z. B. eine Lockerung des Kündigungsschutzes oder ein Prämiensystem im Gesundsheitswesen.
Das es vor allem die CSU ist, die auf die FDP schießt hat einen ganz einfachen Grund: Macht! Die FDP hat bei der letzten Landstagswahl in Bayern der CSU massiv Wähler weggenommen und so die Alleinherrschaft der CSU beendet. Laut den jüngsten Umfragen gefällt es den Bayern, daß die CSU nun mit einer anderen Partei koalieren muß. Seehofer jedoch gefällt es nicht! Er will unter allen Umständen bei der Bundestagswahl die magische Grenze von 50 % erreichen, evtl. sogar noch überschreiten. Würde ihm dies gelingen, wäre die CSU zwar immer noch der kleinste Partner eines schwarz-gelben Bündnisses, aber seine Position wäre wesentlich stärker. Es wäre ihm dadurch möglich mehr Forderungen seiner eigenen Partei gegen CDU und FDP durchzusetzen. Denn man darf nicht vergesse, Seehofer hat viel versprochen. Vielleicht sogar ein wenig zuviel.
Sollte Seehofer die 50 %-Marke nicht reißen können, wäre seine Position im Bund denkbar schwach. Das einzige was er dann noch tun könnte, wäre den einzigen CSU-Mann im Bund durchzusetzen, der bei Bürgern nach nur 3 Monaten ungeheuer beliebt ist, nämlich zu Guttenberg.
Was nun allerdings zu Guttenberg betrifft, so darf man nicht vergessen, daß er bis zur Wahl nur knapp 4 Monate im Amt war. Auch wenn er sich in diesen 4 Monaten profilieren konnte, es sagt nicht darüber aus, ob bei einer vollen Legislaturperiode, in Zeiten, in denen es keine Wirtschaftskrise gibt, sein derzeitiges Format aufrechterhalten kann. Denn das Wirtschaftsministerium hat vergleichweise wenig Befugnisse.
Fazit:
Dieses Schmierentheater, daß uns FDP und CSU zur Zeit bescheren ist nur albern und lächerlich. Das bayerische Kätzchen Seehofer beweist erneut, daß es einem Politiker in Deutschland nicht um Volk und Land geht, sondern vornehmlich um Macht!
Weil er um seine Macht im Bund fürchtet, versucht er nun durch alberne Attacken auf den Wunschkoalitions-partner diesem Wähler abspenstig zu machen. Das ein gewisser Edmund Stoiber bei der Wahl 2005 schon einmal versucht. Funktioniert hat es nicht. Und wenn die FDP auf diese Attacken weiterhin klugerweise nicht eingeht, kann sich dieses affige Theater der CSU ganz schnell zu einem Rohrkrepierer entwickeln.
Zum Wahlkampf allgemein muß man sagen, daß er mehr eine Frechheit ist. Ein Wahlkampf ist, wie es im Wort schon steckt, ein Kampf. Es ist ein Kampf um Ideen und Konzepte. Aber davon ist weit und breit nichts zu sehen. Was oder wen sollen die Bürger also wählen? Am respektlosesten verhält sich hier die Kanzlerin selbst, die absolut jeder Konfrontation aus dem Weg geht, sich beim Wähler einschmeichelt und so hofft die Wahl gewinnen zu können. Wahrscheinlich wird diese Strategie sogar zum Erfolg führen. Aber eine Schande und eine Peinlichkeit für die Politik insgesamt ist und bleibt es.

Sehen wir uns jetzt einmal zwei wichtige Kompetenzfelder an: