Donnerstag, 23. Oktober 2008

Das leidige Thema Studiengebühren

Das Bildungsministerium hat 2 Studien in Auftrag gegeben zum Thema Studiengebühren. Es handelt sich dabei um Befragungen der Abi-Jahrgangs 2006 und eine Studienanfängerbefragung aus dem Jahr 2007. Diese Studien haben interessante Zahlen zu Tage gefördert.

Eine Studie kann man generell nicht unvoreingenommen hinnehmen. Man kann eine Studie nämlich so manipulieren, daß ein Ergebnis zu Stande kommt, daß einem selbst am besten gefällt. Wenn eine Studie also veröffentlicht wird muß man fragen:
  1. Wer hat die Studie in Auftrag gegeben?
  2. Wie entstand die Studie? (War es eine Umfrage oder eine Sekundärerhebung etc.?)
  3. Wie lautete die Fragestellung?
  4. Welche Antwortmöglichkeiten waren gegeben?
Durch Suggestivfragen oder einseitige Anwortmöglichkeiten kann man das Ergebnis einer Umfrage oder einer Studie nämlich beeinflussen.

Wird die Studie dann veröffentlicht, und sie bringt mehrere Ergebnisse, so sucht sich der Auftraggeber das Ergebnis heraus, daß ihm am besten gefällt. So ist es auch mit dieser Studie.

In der Studie der HIS zum Thema Studiengebühren taucht eine Zahl von 91 % auf. Die Zahl gefällt unserer Bundesbildungsministerin Schavan am besten. Warum? Für 91 % der Studienanfänger spielen Gebühren bei der Studienentscheidung keine entscheidende Rolle. Jetzt kommt das groß ABER! Solange nicht analysiert ist, wie diese 91 % sich einkommentechnisch zusammensetzen, bzw. deren Elternhaus, sagt diese Zahl gar nichts. Mein Gefühl sagt mir nämlich, daß diese 91 % mehrheitlich Akademikerkinder bzw. Kinder aus der Oberschicht sind.

Die Studie hat noch mehr Zahlen hervorgebracht:
- Im Jahr 2003 hatten 369 000 junge Menschen die Schule mit einer Studienberechtigung verlassen.
- Im Jahr 2006 hatten 415 000 junge Menschen die Schule mit einer Studienberechtigung verlassen.
- Im Jahr 2007 hatten 432 500 junge Menschen die Schule mit einer Studienberechtigung verlassen.
- Im Jahr 2006 haben bis zu 18 000 junge Menschen wegen der Gebühren kein Studium aufgenommen.
- Im Jahr 2003 gab es 377 500 Neueinschreibungen an den Unis in Deutschland.
- Im Jahr 2007 gab es 358 670 Neueinschreibungen an den Unis in Deutschland.

Betrachten wir diese Zahlen einmal in Prozenten:
Von 2003 bis 2007 stieg die Zahl der Studienberechtigten um 17 %. Die Zahl der Studienanfänger ist im gleichen Zeitraum um 5,2 % gesunken. Diese Zahlen sagen im Moment vor allem eines aus: Die Länder haben ihr Ziel verfehlt die Zahl der Studienanfänger auf 40 % zu erhöhen. Vor allem wirken die Studiengebühren auf Menschen aus "bildungsfernen" Elternhäusern abschreckend.

Bei den Abiturienten herrscht Unsicherheit. Diese betrifft zu einem Teil die Finanzierung des Studiums selbst. Eine Gebühr von 500 € pro Semester stellt eine Belastung für einen Otto-Normal-Studenten dar. Der andere Teil der Unsicherheit ist die Frage, was passiert mit meinen Gebühren? Die Einnahmen aus den Studiengebühren sollen den Universitäten komplett zu Gute kommen, damit diese die Qualität ihres Unterrichtes verbessern können. Betrachten wir einmal das Beispiel der Uni des Saarlandes:

Im Saarland werden pro Semester 500 € von den Studenten erhoben. Über die Ausgaben entscheidet ein Gremium der Uni selbst. Die Uni hat dieses Geld natürlich für eine modernere Ausstattung ausgegeben (Bücher, Beamer, etc). Ich denke, wir stimmen alle darin überein, daß dies zur Verbesserung des Unterrichtes beitragen kann. Damit wäre das Geld zweckgebunden ausgegeben worden.

Wenn man die Uni einmal besucht, entdeckt man auch ein Fitnessstudio auf dem Campus jener Uni, bezahlt mittels der Gebühren. Den Studenten wurden USB-Sticks mit dem Uni-Logo geschenkt. Allein dafür hat die Uni 120.000 € ausgegeben. Hat das etwas mit der Verbesserung des Unterrichtes zu tun?

In einem Interview mußte der Uni-Präsident Volker Linneweber eine Ausgabe zugeben, die ihm sichtlich peinlich war. Nämlich die Weiterbildung des eigenen Personals. Hat das etwas mit der Verbesserung des Unterrichtes zu tun?

Die Gegner der Studiengebühren befürchteten von Beginn an, daß die Unis dieses Geld zweckentfremden. Die Uni Saarland ist kein Einzelfall. Mit den Gebühren bezahlen die Studenten bzw. deren Eltern das Personal und die Betriebskosten der Unis. Sie übernehmen damit hoheitliche Aufgaben der Länder, die sich erneut aus der Verantwortung gestohlen haben.

Fazit:
Ein abschließendes Urteil kann man im Moment nicht treffen, da die Studie der HIS noch nicht veröffentlicht wurde. Was jedoch bislang ans Licht kam ist nicht wirklich überraschend.

Im Kern muß ich sagen, bin ich nicht gegen Studiengebühren. Aber ich bin dagegen, daß man die Gebühren bei den Studenten selbst einzieht. Außerdem müßte sichergestellt werden, daß die Gebühren wirklich nur dem Zwecke eingesetzt werden, zu dem sie auch gedacht sind. Das heißt, man müßte ein solches Gremium, daß die Gebühren verwaltet, wegen Veruntreuung verklagen können, sobald die Gebühren für einen Zweck eingesetzt werden, als für die Verbesserung des Unterrichts.

Würde man die Gebühr von Studenten einfordern, wenn sie ihr Studium beendet und eine Arbeit aufgenommen haben, wäre das vorteilhafter für beide Seiten.

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