Man traue keinem erhabenen Motiv für eine Handlung, wenn sich auch ein niedriges finden läßt. (Edward Gibbon)
Mittwoch, 9. Juni 2010
Der Rücktritt des ersten Bürgers
So sprach es Bundespräsident a.D. Horst Köhler am 31.05.2010. Gemäß dem Grundgesetz muß innerhalb von 30 Tagen ein neuer Präsident gewählt werden. Der Termin für die Bundesversammlung steht auch schon fest. Es ist der 30. Juni.
Diese Nachricht beschränkte sich nicht allein auf Deutschland. Meldungen waren auf BBC oder CNN ebenso zu hören wie hier in Deutschland. Ich gehöre zu denjenigen, die sich unter den Nachrichtentexten auch gerne die Kommentare der Nutzer durchlesen. In Großbritannien und den USA überwog das unverständnis. Sie haben nicht verstanden, was an seiner so schlimm sein soll. Ein Amerikaner meinte deshalb, wenn "unsere Politiker wegen einer solchen Äußerung zurücktreten würden, dann wäre die Zahl der Rücktritte astronomisch". Ein anderer schrieb, wenn dies bei uns schon ein Skandal sei, dann wäre Deutschland ein sehr viel besseres als, als er den Eindruck bei seinen 4 Besuchen gehabt hätte. Und er wisse nun auch, weshalb er so gerne hier geblieben wäre.
Ich kann die Entscheidung Köhlers nachvollziehen. Dennoch stehe ich ihr etwas ambivalent gegenüber. Diese Äußerung und die Kritik daran allein, kann nicht der Grund für einen Rücktritt sein. Es muß noch mehr gegeben haben. Sei es die mangelnde Unterstützung seitens derer, die ihn ins Amt brachten, seien es persönliche Probleme oder was auch immer. Aber das alleine reicht nicht.
Zwar nötig mir Köhlers Entscheidung Respekt ab. Aber ich muß auch sagen, es war kein Politiker. Er gehörte nicht zu diesem berliner Politikerstadl. Er war einer von uns. Und dieser von uns, ist jetzt nicht mehr da.
Auch die Medien spielten sicherlich eine unglückliche, schon unprofessionelle Rolle. Statt den Deutschen die Realität vor Augen zu führen, haben die lieber die Empörungsmaschinerie befeuert.
Mein Fazit hat mir die Berner Zeitung bereits vorweggenommen:
"Reflexartig regten sich Medien, Politiker und Experten über den Bundespräsidenten auf. Manche Kritiker sahen schon die Verfassung verletzt. Diese Empörungsmaschinerie ist inzwischen Alltag in Deutschland. Sie kann jeden treffen, der ein falsches Wort sagt - oder ein falsch verstandenes Wort. Moralinsauer, pingelig, hysterisch – so verlaufen diese Debatten meistens. Die eigentlichen Probleme bleiben derweil ungelöst. Horst Köhler wollte bei diesem Spiel nicht mehr mitmachen. Man kann ihn verstehen."
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